
Ungefähr im Jahrestakt erreicht man als unerfahrener Autor den Zeitpunkt, an dem man sich sicher ist, ein geradezu brillantes Werk zu besitzen und einen Verlag damit beehren zu müssen.
Damals wusste ich in noch nichts von zwei unterschiedlichen Verlagsarten. Ganz kurz: Es gibt seriöse Verlage. Namentlich die, die dein Werk wollen, ohne einen Cent zu verlangen. Aus dem simplen Grund, weil sie Potenzial darin sehen. Deshalb investieren sie, je nach Umfang des Werkes, Tausende von Euro und vermarkten das Werk, wollen somit nur das Beste für das Werk, es erfolgreich verkauft sehen, was im Sinne aller ist.
Und dann gibt es die Dienstleisterverlage / Bezahlverlage / Bezuschussverlage. Da verläuft es anders. Du hast ein Buch? Hey, schön für dich! Aber hast du auch Geld, um unsere Kosten zu decken und uns einen Gewinn erwirtschaften zu lassen, selbst bei miesen Verkaufszahlen? Was? Nein? Schade. Dann wird es wohl nichts mit uns zusammen.
Diese Unternehmen interessieren sich nicht für dein Werk. Ob es gut oder schlecht ist, ist egal. Wichtig ist nur, ob du bereit bist, die Kosten für dein Werk zu tragen. Das wird dann als (Risiko-)Bezuschussung schöngeredet. Vergleichbar mit Shops, bei denen man sein T-Shirt bedrucken lassen kann. Was da oben steht und wie, ist dem Copyshop herzlich egal. Du willst es, also bezahle.
In meiner Unwissenheit habe ich einen solchen Verlag angeschrieben.
Nur wenige Tage danach bat man mich, eine komplette, gedruckte Fassung meines damals noch auf neunhundert Seiten aufgeblähten Werkes ausgedruckt einzusenden. Exposè oder anderes Zeug wären nicht nötig. Nun. Es klang geradezu so, als hätten die einzig und alleine nur auf mein Werk gewartet. Gesagt getan, bekam ich noch innerhalb zwei Wochen Antwort. Mit schmeichelnder Einleitung, gar das ganze Lektorat hätte sich einstimmig für mein Werk entschieden. Joah. Weitere rote Flaggen, die ich nicht sah.

Das weitere Schreiben sah ungelogen aus, als hätte sich ein Achtjähriger in Microsoft Word ausgetobt. Sämtliche Überschriften waren mit Hilfe quietschbunter Standardvorlagen der Word Art Gallery von Microsoft Word 2007 erstellt worden. Im Text selbst wurden alle Regenbogenfarben und alle Tricks wie kursiv, Fettschrift und Unterstreichen angewandt, um auch ja jedes wichtige Detail zu markieren. (Ja, das las sich wirklich so.)
Besonders markiert: der Kostenvorschlag. Davon gab es mehrere Modelle, jedoch wäre der mit 30.000 Euro nach das natürlich beste Modell. Und nein, ich habe den Teiler nicht falsch gesetzt. Dreißig. Tausend. Euro.
Es erschien mir ein bisschen üppig. Weiterhin würde ich eine (damals noch geplante) Oktalogie erschaffen. Ergo würden diesem Werk sieben Teile folgen. Daher fragte ich bei einem Termin, ob für Folgeteile ein ähnlicher Betrag meinerseits fällig wäre. Ja, sagte man mir, man käme mir zwar etwas entgegen, jedoch müsse ich in dieser Größenordnung kalkulieren.
Acht mal 30.000 Euro ergeben 240.000 Euro. Na dann. Somit war der Fall für mich erledigt und ich um eine Erfahrung reicher.
Da ich von dem Erlebnis auch Freunden erzählt habe, hat sich Sara dazu inspirieren lassen, mit zu der Zeit stattfindenden Geburtstag ein Comic zu zeichnen, welches man sich weiter unten ansehen kann. Namen habe ich schwarz zensiert. Es ist alles geschehen, vergessen aber doch unvergessen – und ich bin dankbar für die Erfahrung.
Leider hat Sara ohne H das Comic aus zeitlichen Gründen nicht vollenden können. Weiterhin hob ich damals keine der gedruckten Zeitzeugen auf, angefangen mit dem Antwortschreiben des Verlages Unternehmens. Immerhin aber dieses Comic in einer Slideshow:
Bildquelle:
Der Screenshot von Google: Wohl kaum erwähnenswert.
Das Buch und die Münze: Sampath Nayak, Pexels












